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Die Freie Wohlfahrtspflege ist das Rückgrat der sozialen Infrastruktur in Deutschland – in der Stadt und auf dem Land. Sie agiert jenseits einer Gewinnorientierung. Millionen ehrenamtlich Engagierte bringen sich in gemeinnützigen Strukturen ein. Die Dienste und Einrichtungen der Freien Wohlfahrt stehen unter Druck - Änderungen in der Regelfinanzierung, der Arbeitskräftemangel, Themen wie Nachhaltigkeit und die Digitalisierung müssen bearbeitet werden und treten nicht nacheinander, sondern gebündelt auf. Ich wünsche mir nicht nur, dass die Freie Wohlfahrtspflege bleibt, sondern, dass sie gezielt in den Strategien auf Bundes- und Landesebene berücksichtigt und gefördert wird. Soziale Innovationen müssen nah an den Menschen gedacht, entwickelt und umgesetzt werden. Das ist ohne die Freie Wohlfahrtspflege mit ihren ehrenamtlichen Helfern nicht denkbar.
Dr. Grit Kühne Team Diakonische Entwicklung, Förderung, Ökumene/ Europa Diakonisches Werk Schleswig-Holstein Landesverband der Inneren Mission e.V.


Soziale Innovationen brauchen starke Förderstrukturen, da sie im Gegensatz zu technischen Innovationen schwerer in den Markt einbringbar und der Rentabilität zuführbar sind. Als DGB-Beratungsstelle der EU-Förderrichtlinie „Soziale Innovation“ erwarten wir daher ein klares Bekenntnis zur EU sowie: 1. Keine zentralisierte EU-Mittelverwaltung! Der Idee einer gelingenden Kohäsionspolitik liegt eine starke regionale Verankerung zugrunde. EU-Förderpolitik ist in diesem Sinne nicht ausschließlich auf nationaler Organisationsebene darstellbar, sie muss sich in steter regionaler Rückkopplung entwickeln. 2. Stärkere Einbindung der Sozialpartner in die Förderkulisse! Sozialpartnerschaftlich institutionalisierte Förderbegleitungsprogramme erhöhen durch ihre zivilgesellschaftliche Verwurzelung die Passgenauigkeit problemzentrierter regionaler Fördermaßnahmen und steigern darüber hinaus die Sichtbarkeit und Akzeptanz in der Bevölkerung. 3. Kein weiteres Absenken der Förderquoten! Reduzierte Fördermittel haben in der Vergangenheit oft zu einer Absenkung der Förderquote geführt, hier erwarten wir von der künftigen Bundesregierung ein politisches Agieren im Sinne ihrer regionalen Akteure. Förderquoten mit weniger als 50% Zuwendung erweisen sich schon heute als nicht wettbewerbsfähig und haben einen schwachen Mittelabfluss zur Folge.
Dr. Simon Rettenmaier Leitung der Stelle für Soziale Innovation DGB Niedersachsen


Sozialunternehmen sind wichtige Impulsgeber:innen für die Überwindung gesellschaftlicher Herausforderungen. Sie brauchen hierfür jedoch mehr politische Unterstützung. Wir bei SEND e.V. sehen hier vor allem drei zentrale Maßnahmen für die Bundespolitik: 1. Bundespolitische Verantwortung strukturell verankern Soziale Innovationen und Sozialunternehmertum sind Querschnittsthemen. Nur eine wirkungsvolle Verankerung der bundespolitischen Zuständigkeit ermöglicht die effektive Entfaltung ihrer positiven Wirkung in Bereichen wie Gesundheit, Bildung, Integration oder Umwelt. 2. Wirkungsbasierten Einsatz staatlicher Mittel voranbringen Um wirkungsvolle Lösungen zu stärken, sollte der Staat die sozialen und ökologischen Folgen seines Handelns gleichbedeutend mit den wirtschaftlichen Folgen berücksichtigen. Dies sollte neben dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit beim Einsatz staatlicher Mittel (Haushalt, Vergaben oder Förderprogramme, o.ä.) gelten. So können staatliche Ressourcen stärker evidenzbasiert und wirkungsfokussiert eingesetzt werden. 3. Zielgruppengerechte Finanzierung für Social Entrepreneurship gewährleisten Social Entrepreneurship hat spezifische Finanzierungsbedürfnisse. Deshalb müssen gleichberechtigter Zugang zu Förderprogrammen, zielgruppengerechte Finanzierungsinstrumente und zusätzliche finanzielle Ressourcen für wirkungsvolle soziale Innovationen bereitgestellt werden, um Social Entrepreneurship als Treiber des gesellschaftlichen Wandels zu stärken.
David Korenke Co-Leiter Politik Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V.


Soziale Innovationen erweitern die Problemlösungskapazität unserer Gesellschaft. Ihre Bedeutung wurde in den letzten Jahren parteiübergreifend anerkannt: Der Bundestagsbeschluss 2020 ist von der Großen Koalition initiiert und beschlossen worden, bei Enthaltung der Grünen, der FDP und der Linken, die aber zum Teil eigene Resolutionen zum Thema eingebracht haben. Es ging dabei weniger darum, ob soziale Innovationen zukünftig stärker gefördert werden, sondern welches hierbei der richtige Weg ist. Die „Ampel“ hat das Thema dann nochmals forciert. Für eine moderne Innovationspolitik ist Soziale Innovation unverzichtbar – ohne sie bekommt man Herausforderungen wie den demografischen Wandel, die Transformationen der Industrie, klimafreundlichere Mobilität und viele weitere nicht in den Griff.
Dr. Christoph Kaletka Stellvertretender Direktor der Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs) Forschungsbereich Innovation und Bildung in der digitalen Gesellschaft Technische Universität Dortmund/ Fakultät für Sozialwissenschaften


Soziale Innovationen werden an deutschen Hochschulen immer wichtiger. Für viele sind sie inzwischen fester Bestandteil der Forschung, des Lehrens und Lernens sowie der Transferarbeit. Der Bund hat mit Programmen wie der Gesellschaft der Ideen, der Gesellschaft der Innovationen oder DATIpilot bereits seit einigen Jahren wichtige Unterstützungsarbeit geleistet und dadurch viele sozialinnovative Ansätze aus Hochschulen gestärkt, die oft in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft entstanden sind. Von zentraler Bedeutung ist heute die Nationale Strategie für Soziale Innovationen und Gemeinwohl orientierte Unternehmen. Sie ist nicht nur eine Orientierungshilfe, sondern auch ein Zeichen dafür, dass die Bedeutung Sozialer Innovationen weithin anerkannt und ein wichtiger Baustein des nationalen Innovationskonzepts ist. Jetzt gilt es, diesen Schwung aufzunehmen, und den Beitrag von deutschen Hochschulen zur Adressierung der zahlreichen gesellschaftlichen Herausforderungen mit Sozialen Innovationen weiter zu unterstützen. Die neue Bundesregierung kann auf den bestehenden Erfolgen aufbauen und eigene Akzente setzen.
Daniel Krüger Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Innovation und Bildung in der digitalen Gesellschaft Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs) Technische Universität Dortmund/ Fakultät für Sozialwissenschaften


Gemeinwohlorientierte Unternehmen haben spezifische Finanzierungsbedürfnisse: Sie arbeiten mit gewerblichen, gemeinnützigen oder hybriden Geschäftsmodellen an der Lösung gemeinwohlorienter Herausforderungen und brauchen individuelle Finanzierungslösungen. Das können wir mit FASE aus unserer Erfahrung von >100 erfolgreich umgesetzten Finanzierungsrunden beim Einwerben von >85 Mio. EUR Wachstumskapital bestätigen. Es gibt mehr und mehr private wirkungsorientierte Investoren, die in gemeinwohlorientierte Unternehmen investieren wollen. Wir brauchen jedoch auch eine kontinuierliche Unterstützung der neuen Bundesregierung zur Verbesserung der Finanzierungsbedingungen von gemeinwohlorientierten Unternehmen und sozialen Innovationen in Deutschland. Wir brauchen für gemeinwohlorientierte Unternehmen einen gleichberechtigten Zugang zu Förderprogrammen, zusätzliche finanzielle Ressourcen (vor allem mehr geduldiges Kapital) und mehr zielgruppengerechte Finanzierungsinstrumente (wie unseren mit EU-Garantien finanzierten Co-Investment-Fund ESIIF), um soziale Innovationen als Treiber des gesellschaftlichen Wandels zu stärken.
Dr. Markus Freiburg CEO & Founder FASE


Noch nie zuvor haben sich die Rahmenbedingungen des Lebens so rasant und tiefgreifend verändert wie in der heutigen Zeit. Zahlreiche Anzeichen deuten darauf hin, dass ein Zeitalter zu Ende geht und wir uns in einer Phase des Übergangs befinden – in einem schmerzhaften Prozess, in dem etwas Neues entsteht. Wie die Welt von morgen aussehen wird, bleibt ungewiss. Sicher ist jedoch, dass die Zukunft sowohl neue Möglichkeiten als auch größere Risiken für Individuen und Gemeinschaften mit sich bringen wird. Um eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen zu sichern, müssen wir dringend neue Antworten auf wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen finden. Eine entscheidende Kraft für eine nachhaltige Veränderung liegt in der Entwicklung von Sozialen Innovationen. Sie sind der Schlüssel, um gesellschaftliche Strukturen zu erneuern, Ungleichheiten abzubauen und eine lebenswerte Zukunft für alle zu gestalten. Die Ampel-Regierung hat mit der Verabschiedung der „Nationalen Strategie für Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte Unternehmen“ ein wichtiges Signal gesetzt. Die neue Regierung sollte den Prozess weiter befördern!
Norbert Kunz Geschäftsführer Social Impact gGmbH


Soziale Innovationen sind einer der Hebel, um Herausforderungen bei Themen wie Wohnen, Ernährung, Bildung und Demokratie anzugehen. Soziale Innovationen gelingen vor allem, wenn alle gesellschaftlichen Akteure zusammenarbeiten und gemeinsam den Mut haben, andere Wege zu gehen. Die neue Bundesregierung sollte daher auch den Mut haben, die Rahmenbedingungen für Soziale Innovationen weiterzuentwickeln. Mut zum Risiko ist dabei zentral!
Michael Seberich Geschäftsführer Wider Sense


Es fasziniert mich immer wieder, wie kreativ Menschen sein können, wenn es darum geht, gemeinsam Probleme zu lösen. Das gegenwärtige Interesse an Sozialen Innovationen ist ein Ausdruck der Hoffnungen, die mit dieser Innovationskraft verbunden werden. Häufig wird hierbei auf die großen Herausforderungen unserer Zeit verwiesen – Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit, demografischer Wandel, Sicherheit, Pandemien. Die Aufgabe, Lösungen für diese Probleme zu finden, kann der Staat aber nicht dem Markt oder der Zivilgesellschaft überlassen und dabei auf deren Innovationsfähigkeit verweisen. Manche Probleme lassen sich nicht mit Impact Start-ups lösen. Von der neuen Regierung erwarte ich daher den Mut, die enormen Zielkonflikte zwischen ökologischer Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit und Wirtschaftsleistung auszuhalten und kreative Wege zu finden, um sie besser zu vereinbaren.
Dr. Filip Zieliński Researcher Centre for Social Investment (CSI) Heidelberg University


Soziale Innovation als gesellschaftliches Phänomen beschäftigt mich seit vielen Jahren. Hier zeigt sich die produktive Kreativität lokaler Gemeinschaften und engagierter Individuen. Häufig ausgelöst von alltäglichen Problemerfahrungen bei einem selbst, in der Familie oder in der Nachbarschaft werden Lösungsideen und Prototypen kreiert. Diese werden von anderen, häufig auch Organisationen, aufgenommen und weiterentwickelt und ein spannender Prozess der gesellschaftlichen Veränderung kommt in Gang. In unserer Forschungsarbeit sehen wir, dass viele Soziale Innovationen in ihrer Entwicklung stecken bleiben, da die vorhandenen Programme und Infrastrukturen nach wie vor auf ökonomischen Erfolg fixiert sind. Das zeigt sich in den Zugangskriterien und auch in den Inhalten von Beratung. Ich hoffe, dass die neue Bundesregierung Soziale Innovation in ihrem Potential zur Lösung gesellschaftlicher Probleme ernst nimmt. Engagierte und kreative Menschen sowie Organisationen, die gesellschaftliche Probleme angehen, brauchen und verdienen weitere Unterstützung und den Auf- und Ausbau von förderlichen Infrastrukturen.
Dr. Georg Mildenberger Head of Research/Acting Director Centre for Social Investment (CSI) Heidelberg University


Soziale Innovationen begeistern mich als das Ergebnis pragmatischer Lösungssuchen für gesellschaftliche Probleme in den unterschiedlichsten Bereichen. Im sozialen Bereich geht es z.B. immer wieder darum, Menschen, die aus verschiedenen Gründen gesellschaftlich benachteiligt sind, Möglichkeiten für mehr Eigenständigkeit, Teilhabe und Chancengleichheit zu eröffnen. Das gemeinsame nach Lösungen Suchen und deren Umsetzung schafft positive Resultate. Ich hoffe, dass die neue Bundesregierung weiterhin Soziale Innovationen und die Forschung zu ihnen unterstützt. Sie stärken uns und erhalten sowie ermöglichen Gemeinschaft. Um die Herausforderungen der Zukunft besser meistern zu können, müssen wir dieses Phänomen noch besser verstehen lernen, um es gezielt zu unterstützen.
Dr. Gudrun-Christine Schimpf Senior Researcher Centre for Social Investment (CSI) Heidelberg University


Soziale Innovationen sind essenziell, um Herausforderungen wie die sozialgerechte ökologische Transformation oder Defizite im Bildungssystem zu bewältigen. Technologische Neuerungen allein reichen nicht aus. Die neue Bundesregierung sollte daher gezielt Rahmenbedingungen schaffen, die Soziale Innovationen stärken: durch flexible Finanzierungsmechanismen, langfristige institutionelle Unterstützung und Programme zum Kompetenzaufbau. Zudem muss ihre Wirkung besser messbar werden. Wie das EFI-Gutachten 2024 betont, fehlen repräsentative, langfristig erhobene Daten, um den gesellschaftlichen Mehrwert Sozialer Innovationen fundiert zu bewerten. Ohne eine kontinuierliche Erfassung Sozialer Innovationen und einer Teilstandardisierung der Wirkungsanalysen—wie dies für ökonomisch ausgerichtete Innovationen üblich ist— bleibt unklar, welchen gesellschaftlichen Mehrwert Soziale Innovationen konkret entfalten und ob dieser mit negativen oder nicht-intendierten Effekten an anderer Stelle einhergehen. Eine evidenzbasierte Forschungs- und Innovationspolitik muss daher über wirtschaftliche Kennzahlen hinausdenken und Indikatoren für soziale Inklusion, Gemeinschaftsstärkung und systemische Veränderungen etablieren. Meine Hoffnung ist, dass die neue Bundesregierung diese Herausforderungen angeht und Soziale Innovationen als Schlüssel für nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel anerkennt.
Dr. Judith Terstriep Head of Research Department Westphalian University of Applied Sciences Gelsenkirchen Institute for Work and Technology Research Department INNOVATION, SPACE & CULTURE