17 Beispiele als Ausgangspunkt für vertiefende Fallstudien und Ökosystem-Lernen

Fallübersicht: Regionale und lokale Ökosysteme Sozialer Innovation in Deutschland



Das vorliegende Dokument enthält eine erste Übersicht regionaler und lokaler Ökosysteme Sozialer Innovation in Deutschland. Es wurde im Rahmen der European Social Innovation Alliance (ESIA) und des Kompetenzzentrums für Soziale Innovationen Deutschland (KoSI) von der TU Dortmund University / Sozialforschungsstelle (SFS) erstellt.

Die Fallübersicht versammelt 17 Beispiele für lokale, regionale und ländliche Ökosysteme, aus denen erfolgreiche Initiativen Sozialer Innovation hervorgehen können. Dazu gehören unter anderem Städte wie Berlin, Dortmund, Freiburg, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, München und Wuppertal sowie regionale Ökosysteme wie Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, die Metropolregion Nordwest und das Vilstal in Bayern.

Das Dokument ist als „Living Document“ angelegt und kann im weiteren Forschungsprozess ergänzt werden. Die aufgeführten Fälle bilden eine erste Auswahl möglicher Beispiele für spätere vertiefende Fallstudien. Ziel ist es, besser zu verstehen, welche lokalen und regionalen Rahmenbedingungen Soziale Innovation ermöglichen, welche Akteur*innen dabei eine zentrale Rolle spielen und welche unterstützenden oder hemmenden Faktoren in unterschiedlichen Kontexten sichtbar werden.

Die Kurzbeschreibungen zeigen, dass Soziale Innovation in Deutschland nicht nur in großen Metropolen entsteht. Neben urbanen Innovationsräumen werden auch Industrieregionen, ländliche Räume, Bundesländer und Metropolregionen betrachtet. Dadurch entsteht ein differenziertes Bild davon, wie vielfältig Ökosysteme Sozialer Innovation in Deutschland aufgebaut sein können.

Deutlich wird: Erfolgreiche Ökosysteme Sozialer Innovation entstehen häufig dort, wo öffentliche Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wohlfahrt, Sozialunternehmen, Förderinstitutionen und lokale Initiativen zusammenwirken. In vielen Fällen spielen kommunale oder regionale Unterstützungsstrukturen, Social Innovation Labs, Hochschulen, ESF+-Programme, Netzwerke für Social Entrepreneurship, zivilgesellschaftliche Initiativen und anwendungsorientierte Forschung eine wichtige Rolle.

Die Fallübersicht macht zugleich sichtbar, dass sich Ökosysteme Sozialer Innovation sehr unterschiedlich entwickeln. Manche Regionen verfügen bereits über etablierte Förderprogramme, Kompetenzzentren oder Strategien. Andere befinden sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium, zeigen aber durch lokale Initiativen, Netzwerke oder Reallabore ein wachsendes Potenzial für Soziale Innovation.

Für KoSI bietet diese Übersicht eine wichtige Grundlage, um Lernprozesse zwischen Regionen und Kommunen zu unterstützen. Sie hilft dabei, Beispiele guter Praxis sichtbar zu machen, regionale Unterschiede besser zu verstehen und Ansatzpunkte für den weiteren Aufbau nachhaltiger Unterstützungsstrukturen für Soziale Innovationen in Deutschland zu identifizieren.

Damit ergänzt die Fallübersicht die Ergebnisse der deutschen Ökosystemanalyse und eröffnet eine stärker praxis- und ortsbezogene Perspektive: Sie zeigt, wo in Deutschland bereits förderliche Bedingungen für Soziale Innovation entstehen – und wo aus diesen Erfahrungen für die weitere Entwicklung des Feldes gelernt werden kann.

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Slide Deck zur Aufbereitung bestehender Ergebnisse aus der deutschen Ökosystemanalyse

Ergebnis-Update: Ökosystem Soziale Innovation in Deutschland 2021–2023



Compilation and processing of existing results from Germany Results from the ecosystem analysis 2021–2023 TU Dortmund University, Sozialforschungsstelle (SFS)

Das vorliegende Slide Deck bereitet zentrale Ergebnisse der deutschen Ökosystemanalyse Sozialer Innovationen aus den Jahren 2021 bis 2023 für den Kontext der European Social Innovation Alliance (ESIA) und des Kompetenzzentrums für Soziale Innovationen Deutschland (KoSI) auf.

Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rahmenbedingungen Soziale Innovationen in Deutschland fördern oder behindern. Ziel der Analyse ist es, aktuelle Entwicklungen und Trends im deutschen Ökosystem Sozialer Innovationen sichtbar zu machen und damit ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, wie Soziale Innovationen entstehen, unterstützt, verbreitet und verstetigt werden können.

Die Ergebnisse richten sich insbesondere an Kompetenzzentren für Soziale Innovationen, öffentliche Verwaltungen, ESF+-Verwaltungsbehörden, politische Entscheidungsträgerinnen, Praktikerinnen und Forschende.

Die Analyse zeigt, dass sich das Ökosystem Sozialer Innovationen in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt hat. Auf Bundes- und Landesebene sind neue Strategien, Förderprogramme, Unterstützungsstrukturen und institutionelle Zuständigkeiten entstanden. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das zur Verbreitung eines umfassenderen Verständnisses Sozialer Innovation in Forschung und Praxis beigetragen hat.

Gleichzeitig wird sichtbar, dass Soziale Innovationen zunehmend als gemeinsame Aufgabe unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteurinnen verstanden werden. Neben Sozialunternehmen übernehmen auch Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Wohlfahrtsorganisationen, zivilgesellschaftliche Akteurinnen, öffentliche Verwaltungen und private Förder- bzw. Finanzierungsakteure neue Rollen im Ökosystem.

Das Slide Deck macht außerdem deutlich, dass in Deutschland zwar eine wachsende Offenheit gegenüber der gesamten Bandbreite Sozialer Innovation besteht, diese aber teilweise weiterhin eng mit Sozialunternehmen verknüpft wird. Dadurch entstehen produktive Anschlussmöglichkeiten, zugleich bleibt aber die Herausforderung bestehen, Soziale Innovation nicht auf einzelne Akteurstypen oder Organisationsformen zu verengen.

Eine zentrale Erkenntnis ist die weiterhin fragmentierte Unterstützungslandschaft. Zwar existieren auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zahlreiche finanzielle und nicht-finanzielle Unterstützungsangebote, Förderprogramme, Infrastrukturen und Netzwerke. Für Sozialinnovator*innen ist es jedoch oft schwierig, sich in dieser Vielfalt zurechtzufinden. Es fehlt häufig an klaren Anlaufstellen, koordinierenden Strukturen und übergreifender Orientierung.

Damit unterstreicht die Analyse die Bedeutung von KoSI als Kompetenzzentrum und Feldinfrastruktur: Soziale Innovationen benötigen nicht nur einzelne Förderprogramme oder Projekte, sondern ein besser verbundenes Ökosystem, das Wissen bündelt, Akteur*innen zusammenbringt, Lernprozesse ermöglicht und die Entwicklung geeigneter Rahmenbedingungen unterstützt.

Das Slide Deck liefert dafür eine wichtige Grundlage. Es fasst zentrale Entwicklungen aus der deutschen Ökosystemanalyse zusammen, macht Handlungsbedarfe sichtbar und bietet Anknüpfungspunkte für die weitere Arbeit von KoSI und ESIA beim Aufbau nachhaltiger Unterstützungsstrukturen für Soziale Innovationen in Deutschland und Europa.

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Studienergebnisse: Ökosystem für Soziale Innovationen in Deutschland

Ergebnisse der Ecosystem Mapping Studie der TU Dortmund (SFS)

2022 sammelte die Sozialforschungsstelle der TU Dortmund in einer gemeinsamen Anstrengung mit den KoSI-Mitgliedsorganisationen insgesamt 95 Fälle von Rahmenbedingungen und Best Practices für Soziale Innovationen in Deutschland.

Ziel dieses „Mappings“ war es, einen Einblick in das deutsche Ökosystem Sozialer Innovationen zu gewinnen und damit den Kontext des Gelingens und Scheiterns neuer Initiativen zu verstehen, Lücken zu erkennen und aktuelle Entwicklungen zu reflektieren sowie Trends zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Studie und aufbauender Analysen des Ökosystems Sozialer Innovationen in Deutschland wurden am 30. November 2022 von der TU Dortmund (Sozialforschungsstelle) veröffentlicht.

Die Autor:innen sind Katrin Bauer, PD Dr. Christoph Kaletka, Daniel Krüger und Dr. Karina Maldonado-Mariscal.



Executive Summary:

  • Auf politischer Ebene wird das Ökosystem sozialer Innovation sowohl bundesweit wie auch regional und lokal gestärkt. Während einige Bundesländer das Potenzial sozialer Innovation noch nicht vollständig erkannt zu haben scheinen, erwähnen andere Landesregierungen soziale Innovation ausdrücklich in ihren Koalitionsverträgen. Einige Landesministerien engagieren sich offen für die Förderung sozialer Innovation, formulieren Strategien und richten Förderprogramme und Unterstützungsstrukturen ein – oft in Verbindung mit der Verwendung von ESF-Mitteln. Auf der Ebene mancher Bundesländer ist eine beachtliche Dynamik entstanden, von der andere Bundesländer beim Aufbau eigener Programme und Infrastrukturen lernen können. In ähnlicher Weise richten auch Kommunen Unterstützungsstrukturen ein, wie z.B. Social Innovation Labs und Communities, die darauf abzielen, das jeweilige lokale Ökosystem zu stärken und eine Basis für gegenseitiges Lernen und Wissenstransfer zu schaffen.

  • Nicht nur der Staat unterstützt soziale Innovationen aktiv. So hat auch die Zivilgesellschaft bereits Strukturen für die Interessenvertretung und Infrastrukturen zu Themengebieten sozialer Innovation und für die Akteur*innen des Ökosystems aufgebaut und entwickelt diese weiter. Hinzu kommen Informationsangebote. Während sich die Forschung zu sozialen Innovationen in den letzten zehn Jahren in einer kleinen Forschungsgemeinschaft bereits gut etabliert hat, sind die meisten Hochschulen und Forschungsinstitute noch Neulinge auf dem Gebiet der Unterstützung sozialer Innovation. In jüngster Zeit übernehmen Hochschul- und Forschungseinrichtungen aber zunehmend eine aktivere Rolle und arbeiten mit anderen Akteur*innen des Ökosystems zusammen, um soziale Innovationen zu unterstützen. In ähnlicher Weise werden sich auch die großen Wohlfahrtsverbände zunehmend des Potenzials sozialer Innovation bewusst und fördern sie nicht nur in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, sondern auch im Umfeld ihrer eigenen Organisationen.

  • Während soziale Innovation in Deutschland scheinbar zunehmend als Konzept anerkannt wird, herrscht immer noch Unklarheit darüber, wer soziale Innovation entwickelt und umsetzt. Vor allem im Kontext von Förderprogrammen werden Sozialunternehmen oft als die Haupttreiber sozialer Innovationen gesehen. Sie agieren an der Schnittstelle zwischen dem Non-Profit- und dem For-Profit-Sektor und sind daher mit unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert. Auch Akteure der Zivilgesellschaft haben dazu beigetragen, das allgemeine Bewusstsein für das Potenzial von Sozialunternehmen als Sozialinnovator*innen zu stärken. Ebenso wächst das Bewusstsein, dass soziale Innovation am besten in einer gemeinsamen Anstrengung verschiedener gesellschaftlicher Sektoren gefördert werden kann. Dementsprechend treten immer mehr neue Akteur*innen in das Feld, um die Rolle als Sozialinnovator*innen einzunehmen. Infolgedessen gibt es eine wachsende Zahl von Praxisbeispielen, die Anlass für gegenseitiges Lernen und Zusammenarbeit geben.

  • Im deutschen Ökosystem gibt es finanzielle und nicht-finanzielle Unterstützung für soziale Innovationen auf allen Ebenen (national, regional, lokal). Beide Formen sind durch eine Vielzahl von thematischen und geografischen Zuschnitten gekennzeichnet, die sich jeweils an einzelne oder mehrere Zielgruppen richten. Einige beschränken sich auf bestimmte Bundesländer, andere auf bestimmte Tätigkeitsbereiche, wie zum Beispiel die Pflege. Die Vielfalt an Themen, Zielgruppen und der geografischen Dimension macht es für Sozialinnovator*innen schwierig, sich in der komplexen Förderlandschaft zurechtzufinden. Es fehlt oft an zentralen Anlaufstellen, die in der Vielfalt unterschiedlicher Fördermöglichkeiten für soziale Innovationen Hilfestellung leisten. Als Antwort auf diese Lücke entstehen in einigen Bundesländern und Regionen bereits solche Angebote.

  • Die zunehmende Anerkennung des Potenzials sozialer Innovation spiegelt sich nicht nur in der Ausweitung öffentlicher Förderprogramme wider. Auch private Investor*innen übernehmen zunehmend eine aktive Rolle im Ökosystem und unterstützen soziale Innovationen. Mit Instrumenten, die längst in der Finanzwelt etabliert sind, konzentrieren sie sich vor allem auf die Förderung von Sozialunternehmen. Sowohl bekannte als auch neue Instrumente wie Social Impact Bonds versprechen neue Wege der Finanzierung sozialer Innovationen durch private Gelder, oft mit dem Ziel von Impact Investments. Dennoch besteht ein Bedarf an weiteren Finanzinstrumenten, um die verbleibenden Lücken zu schließen.

  • Das deutsche Recht lässt eine Reihe unterschiedlicher Rechtsformen zu, die Initiativen sozialer Innovation bereits nutzen, um sich zu verstetigen. Beispiele bieten Vereins- und Genossenschaftsmodelle, die auch die Etablierung neuer sozialer Praktiken jenseits klassischer Geschäftsmodelle und fremdfinanzierter, zeitlich begrenzter Projektstrukturen unterstützen können. Es bleibt allerdings Raum für Rechtsformen, die sich spezifischer auf die Bedürfnisse von Sozialinnovator*innen beziehen.

  • Internationale Vorbilder können eine wesentliche Rolle bei der Weiterentwicklung des deutschen Ökosystems sozialer Innovation spielen. Der Blick über den Tellerrand ermöglicht neue Impulse für die Förderung sozialer Innovation, etwa durch die Bündelung von Kompetenzen in lokalen und regionalen Zentren für soziale Innovationen oder neuartige, auf die Förderung sozialer Innovationen spezialisierte, Regierungsorganisationen. Darüber hinaus muss sich die gesamte Gesellschaft für die Förderung und Entwicklung sozialer Innovationen engagieren, d.h. nicht nur Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung, sondern auch Wissenschaft und Wirtschaft. Internationale Vorbilder zeigen, dass insbesondere die Finanzierung sozialer Innovation von der öffentlichen auf die private Ebene der Projektträger*innen übergreifen kann und umgekehrt. Letztlich betonen die von internationalen Expert*innen gesammelten Trends den Wert transnationaler Zusammenarbeit für soziale Innovationen.

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KoSI Advocacy

KoSI-Input zur Nationalen Strategie für Soziale Innovationen



Die Koalition aus SPD, FDP und Grünen hatte im Koalitionsvertrag von 2021 das klare Ziel formuliert, eine „nationale Strategie für Sozialunternehmen zu erarbeiten, um gemeinwohlorientierte Unternehmen und Soziale Innovationen stärker zu unterstützen.“ Damit wurde u.a. ein wichtiger Punkt der Forderungen von KoSI und insbesondere Mitglied SEND e.V. aufgenommen.

Diese Nationale Strategie wurde dann im September 2023 gemeinsam vom Bundeswirtschafts- und Bundesbildungsministerium veröffentlicht. Die KoSI-Mitglieder und insbesondere SEND hatten während der Konsultationsphase gemeinsame Empfehlungen für die Nationale Strategie erarbeiteten, die u.a. in Konsultationsgesprächen mit den Ministerien eingebracht wurden.

Lesen Sie hier die Empfehlungen von KoSI für die Nationale Strategie für Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte Unternehmen.

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Card
Das Kompetenzzentrum für Soziale Innovationen Deutschland wird gestaltet von CSI - Centrum für Soziale Investitionen und Innovationen der Universität Heidelberg, Deutscher Gewerkschaftsbund Niedersachsen, Diakonie Deutschland, Diakonisches Werk Schleswig-Holstein, FASE - Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship GmbH, IAT - Institut Arbeit und Technik der Universität Gelsenkirchen, MWAEK - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg, SAP SE, SEND - Social Entrepreneurship Deutschland e.V., TU Dortmund und Wider Sense TraFo gGmbH. Die Leitung übernimmt die Social Impact gGmbH. Das Kompetenzzentrum für Soziale Innovationen Deutschland wird kofinanziert durch die Europäische Union im Rahmen der ESF+ Social Innovation+ Initiative.
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