ESF+-Veranstaltung in Prag

Juni 2025

Tschechien als Vorreiter für Soziale Innovation in Europa

Im Frühjahr fand in Prag in Tschechien eine zweitägige Veranstaltung der Community of Practice on Social Innovation des ESF+ (Europäischer Sozialfonds) statt. Unter dem Titel „Supporting Social Innovation: A Journey Through Two ESF Programming Periods, the Experience of the Czech Republic“ (auf Deutsch: „Förderung sozialer Innovation: Eine Reise durch zwei ESF-Programmplanungsperioden – die Erfahrungen der Tschechischen Republik“) trafen sich Vertreter:innen aus 18 EU-Mitgliedstaaten, darunter auch Mitglieder des Kompetenzzentrums für Soziale Innovationen Deutschland (KoSI) und unserer European Social Innovation Alliance (ESIA).






Die Veranstaltung in Prag verfolgte das Ziel, das tschechische Modell zur Förderung Sozialer Innovationen kennenzulernen, Einblicke in konkrete Projekte vor Ort zu gewinnen und Impulse für den Transfer in andere Länder zu geben. Zudem gab es intensive Diskussionen zur Zukunft Sozialer Innovationen im Rahmen des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) mit Blick auf die nächste Förderperiode nach 2027. 63 Teilnehmende besuchten zwei Tage lang Fachvorträge und Workshops. Zudem standen Projektbesuche bei und Erfahrungsberichte von Geförderten im Mittelpunkt.



Tschechien als Vorzeigeland für Soziale Innovationen

In Tschechien sind die Verwaltungsbehörde des ESF+ und das Nationale Kompetenzzentrum für Soziale Innovation in einer Einheit zusammengeführt. Dieses Modell ermöglicht laut den Gastgebern der Veranstaltung agilere Entscheidungen und eine kohärente Politikgestaltung.

Mehr als 150 soziale Innovationsprojekte hat der ESF+ in Tschechien bereits mit verschiedenen Ansätzen gefördert. Die Ausschreibungen folgen in der Regel keinem festen Thema, sondern setzen auf Bottom-up- und designbasierte Methoden. Die Projekte entstehen meist aus zwei Hauptarten von Ausschreibungen, die das tschechische ESF+-Team entwickelt hat:

  1. Ausschreibungen für die Suche nach neuen Lösungen – für Organisationen, die hartnäckige Probleme angehen und mit Design Thinking sowie Rapid Prototyping innovative Ansätze erproben wollen. Dieser Prozess gliedert sich in zwei Phasen:

  1. „Inkubationsphase“ (14 Monate, ca. 100.000 €): Sie dient dazu, die Bedürfnisse der Nutzer zu analysieren, Stakeholder einzubinden, Prototypen zu entwickeln und Ideen im kleinen Rahmen zu testen.

  1. „Realisierungsphase“ (bis zu drei Jahre, ca. 800.000 €): Hier werden validierte Lösungen erprobt, systemische Veränderungen angestoßen und Wirkungen bewertet.

  1. Ausschreibungen für die Skalierung von Lösungen – für Organisationen, die bewährte, wirksame Methoden breiter umsetzen möchten.

Kürzlich führte die Ausschreibung „Social Innovation for the Future“ dann doch einen gewissen thematischen Schwerpunkt ein: basierend auf Zukunftsforschung wurden zehn soziale Herausforderungen identifiziert, die als „sozialen Zeitbomben“ gelten, etwa psychische Gesundheitsprobleme, Geschlechterungleichheit, Wohnungsnot und Energiearmut. Sie prägen unsere Gesellschaft bereits heute, was während der Veranstaltung in Prag und Vor-Ort-Besichtigungen von ESF-geförderten Projekten sichtbar wurde.

Grundsätzlich erlebten die Teilnehmenden Tschechien als Paradebeispiel für adaptives Management. Von anfänglicher Skepsis gegenüber Sozialer Innovation hin zu einem festen Bestandteil der ESF+-Strategie hat das Land seit 2013 einen bemerkenswerten Wandel vollzogen. Über Rückschläge wurde offen auf der Veranstaltung gesprochen. Heute gilt Tschechien als Vorreiter für Soziale Innovationen, insbesondere durch seine offene Innovationskultur innerhalb der öffentlichen Verwaltung. Mehrere Mitgliedstaaten äußerten auf der Veranstaltung Interesse, einzelne Projektansätze aus Tschechien in ihre nationalen Programme zu übertragen.



Erkenntnisse für die Zukunft

In Workshops diskutierten die Teilnehmenden zudem Lehren für die Zeit nach 2027, wenn eine neue ESF+-Förderperiode ansteht. Besonders wichtig waren dabei:

- die Stärkung der Förderlogik von der Idee bis zur Skalierung,

- die institutionelle Unterstützung durch Nationale Kompetenzzentren,

- sowie die Schaffung eines innovationsfreundlichen Ökosystems.

Die Veranstaltung in Prag hat erneut gezeigt, dass Soziale Innovationen kein Nischenthema mehr sind, sondern ein Schlüssel für die Weiterentwicklung des ESF+. Die Community of Practice wird nun auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse Empfehlungen für die nächste Förderperiode (2028–2035) erarbeiten.



Dieser Artikel basiert auf einem Bericht der Social Innovation+ Initiative zu der Veranstaltung in Prag. Foto @ Social Innovation+ Initiative

Videos

Mehr Informationen

Documents