KoSI und ESIA gehen in die nächste Phase

September 2024

Soziale Innovationen: Es gibt noch viel zu tun!

Vom 25. bis 27. September 2024 trafen sich die Mitglieder des Kompetenzzentrums für Soziale Innovationen Deutschland (KoSI) und der European Social Innovation Alliance (ESIA) in Beelitz, Brandenburg. Die beiden miteinander verbundenen Netzwerke planen, ihre Bemühungen zur Verbesserung des Ökosystems für Soziale Innovationen auf nationaler und EU-Ebene zu verstärken. In Beelitz legten sie dafür die Grundlagen. Die EU kofinanziert das Projekt im Rahmen der ESF+ Social Innovation+ Initiative. KoSI ist über ESIA Teil eines europaweiten Netzwerks von „Nationalen Kompetenzzentren für Soziale Innovationen“, die im Auftrag der Europäischen Kommission in fast allen EU-Ländern entstehen. 125 Organisationen in 24 EU-Ländern fördern so die Entwicklung des Ökosystems für Soziale Innovationen auf lokaler, regionaler, nationaler und transnationaler Ebene.








Die Social Impact gGmbH war Gastgeberin der Veranstaltung in Beelitz. Die Agentur für Soziale Innovationen leitet sowohl KoSI als auch ESIA. Geschäftsführer Norbert Kunz begrüßte die Teilnehmer:innen im Brandenburger Social Impact-Büro, das sich in einem historischen Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Beelitz-Heilstätten befindet – und damit an einem Ort, der zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende selbst eine Soziale Innovation war.



Das Kompetenzzentrum für Soziale Innovationen Deutschland zieht Bilanz und blickt nach vorne



Am ersten Veranstaltungstag stand die Weiterentwicklung von KoSI im Mittelpunkt. KoSI wurde 2021 als Netzwerk gegründet. Anwesend waren Mitglieder aus den Bereichen Sozialunternehmertum, Gründungsberatung, Finance, Forschung, Wohlfahrt sowie Stiftungen und Corporate Social Responsibility. Neue Mitglieder wie Wider Sense, DGB Niedersachsen, Diakonie Deutschland und SAP wurden begrüßt. KoSI dankte zudem den ehemaligen Mitgliedern Ashoka und Phineo für ihre Unterstützung in der Gründungsphase und bleibt weiterhin mit ihnen verbunden.



Der Blick zurück



KoSI hat in den ersten Jahren viel erreicht. Der Fokus lag auf „Advocacy“, also der Ansprache von Entscheidungsträger:innen auf politischer Ebene sowie in der Privatwirtschaft, Wohlfahrt und in Stiftungen. KoSI konnte Soziale Innovationen insbesondere in der Bundespolitik erfolgreich platzieren. 2021 gelang es, viele der KoSI-Empfehlungen zur Förderung von Sozialen Innovationen im Ampel-Koalitionsvertrag zu verankern, unter der Führung des Mitgliedes SEND e.V. 2023 wurden die KoSI-Mitglieder zur  Nationalen Strategie für Soziale Innovationen und Gemeinwohlorienterierte Unternehmen  konsultiert. Diese positive Zusammenarbeit mit dem BMBF und BMWK führte wenige Wochen später zur Einführung der  SIGU-Plattform . Sie dient als zentrales Informations- und Kommunikationsmedium der Bundesregierung für die Nationale Strategie für Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte Unternehmen. Die Plattform wird von den KoSI-Mitgliedern Social Impact, TU Dortmund und SEND im Auftrag der Ministerien gemanagt.



Es gibt noch viel zu tun für KoSI



Die Anwesenden in Beelitz waren sich einig, dass Soziale Innovationen und die Entwicklung ihres Ökosystems noch viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung in Deutschland benötigen. KoSI wird daher seine Bemühungen um einen Bewusstseinswandel auf Entscheider:innen-Ebene intensivieren.



  • Das Thema Soziale Innovationen muss insbesondere auf politischer Ebene stabilisiert werden. In den kommenden Wochen sollen alle demokratischen Parteien angesichts der anstehenden Wahlen stärker hierfür sensibilisiert werden. SEND wird dabei eine tragende Rolle spielen und von den anderen Mitgliedern unterstützt werden.

  • KoSI wird auch die Sensibilisierung von Entscheidungsträger:innen in ESF-Behörden, der Privatwirtschaft, Wohlfahrt und Stiftungen fortsetzen und verstärken. Das Kompetenzzentrum freut sich daher besonders, dass das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit & Energie Brandenburg Mitglied von KoSI ist. Zudem ist die Diakonie im Netzwerk nun noch stärker vertreten: Neben der Diakonie Schleswig-Holstein ist jetzt auch die Diakonie Deutschland als Dachorganisation bei KoSI dabei. Neu hinzugekommen ist auch Wider Sense als Beratungshaus für Corporate Social Responsibility (CSR), gesellschaftliches Engagement und soziale Investitionen. Des Weiteren konnten die SAP sowie der DGB (über den DGB Niedersachsen) als namhafte Unterstützer:innen von KoSI gewonnen werden.

  • KoSI wird zukünftig mehr konkrete Unterstützung für Initiativen im Bereich der Sozialen Innovationen anbieten, darunter Inkubatoren sowie Trainings- und Informationsangebote zu Instrumenten, Methoden und Praktiken. Die Themen Wirkungsmessung und Impact Finance werden hierbei besonders betont. Themencluster zu gesellschaftlichen Herausforderungen wie Bildung, ländliche Entwicklung und Digitalisierung sollen alle relevanten Stakeholder:innen zusammenbringen, damit die Grundlage für die erfolgreiche Entstehung Sozialer Innovationen bzw. deren Skalierung geschaffen wird. KoSI-Mitglieder Social Impact und FASE werden dabei eine tragende Rolle spielen.

  • TU Dortmund, CSI/Universität Heidelberg und IAT/Universität Gelsenkirchen sorgen für die wissenschaftliche Begleitung der KoSI-Aktivitäten. Es soll zu den Themen Förderungs-Best Practices auf lokaler und regionaler Ebene sowie zur Standardisierung von Wirkungsmessung geforscht und publiziert werden.



KoSI als Brücke zur EU



Deutschland gilt im Bereich der Sozialen Innovationen als Vorreiter, kann aber viel von einem transnationalen Austausch lernen. Die EU hat das Potenzial von Sozialen Innovationen erkannt und will international Vorreiterin werden. Denn trotz aller nationaler, regionaler und lokaler Kontext-Unterschiede lässt sich feststellen, dass die Gemeinsamkeiten beim Thema Soziale Innovationen innerhalb der EU groß sind – sowohl was Chancen als auch Herausforderungen betrifft. Gerade mit Blick auf Advocacy-Strategien, Finanzierung, (Standardisierung von) Wirkungsmessung und generell Skalierung kann die Staatengemeinschaft signifikante Synergien heben. KoSI will für Deutschland die Brücke nach Brüssel und zu den anderen EU-Ländern sein. Dies soll über die Mitgliedschaft in der European Social Innovation Alliance (ESIA) erfolgen, in der KoSI mit Organisationen aus Luxemburg, den Niederlanden und Estland zusammenarbeitet. KoSI vernetzt sich auch mit anderen Kompetenzzentren, beispielsweise aus Portugal, Schweden und Österreich.



ESIA bringt Deutschland, Luxemburg, Estland und die Niederlande zusammen



An den Tagen 2 und 3 der Veranstaltung kamen stießen die ESIA-Partner:innen aus Luxemburg, Estland und den Niederlanden zu den KoSI-Mitgliedern nach Beelitz dazu. ESIA umfasst seit dem Sommer 2024 26 Partnerorganisationen. Die neuen Mitgliedsorganisationen aus Luxemburg und den Niederlanden wurden besonders begrüßt. Beide Länder bringen spannende Perspektiven und Erfahrungen zu Sozialen Innovationen mit. Die Kompetenzzentren in Luxemburg und den Niederlanden sind auf Ministerialebene angesiedelt, während Estland und Deutschland eine starke zivilgesellschaftliche und privatwirtschaftliche Initiative vorweisen können. Deutschland und Estland werden ihre Erfahrungen aus den Gründungsphasen mit Luxemburg und den Niederlanden teilen. Inhaltlich gibt es zwischen den vier ESIA-Ländern Unterschiede, die wichtige Impulse geben können: Deutschland hat bereits eine nationale Strategie für Soziale Innovationen, Estland weitreichende Erfahrung im Bereich der digitalen Sozialen Innovationen, Luxemburg fokussiert auf die Brücke zwischen traditionellen Unternehmen und Sozialunternehmen, und die Niederlande haben eine lange Historie um Bereich Sozialunternehmertum, erweitern nun jedoch ihren Blick auf die Vielfalt Sozialer Innovationen und verstärken politische Bemühungen.



In Beelitz wurden viele geplante Aktivitäten und mögliche Formen von Kooperation und Kollaboration besprochen. Bestimmte Angebote im Bereich Capacity Building und Netzwerken sollen für Stakeholder:innen aus allen ESIA-Ländern offen sein. Eine digitale ESIA Community-Plattform, regelmäßige Calls, Arbeitsgruppen und Studienfahrten werden die Zusammenarbeit innerhalb ESIAs systematisch begleiten. Zusätzliche Austausch- und Veranstaltungsformate der EU sollen intensiv genutzt werden, um sich mit weiteren Kompetenzzentren zu vernetzen und die positive Dynamik in Brüssel zu unterstützen.



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