
ScaleUp Incubator 2025
Dezember 2025
Europa trifft Uckermark: ScaleUp Incubator 2025 bringt Soziale Innovationen über Grenzen hinweg zusammen
Mitten im brandenburgischen Spätherbst, wo Stille sonst den Ton angibt, wurde Stegelitz in der Uckermark fünf Tage lang zum Treffpunkt europäischer Sozialinnovator:innen. In einem revitalisierten ehemaligen Schulgebäude trafen sich vom 17. bis 21. November 2025 acht Sozialunternehmen aus Deutschland, Österreich und Estland, um an einer Frage zu arbeiten, die Europa heute mehr denn je beschäftigt: Wie lassen sich Soziale Innovationen nachhaltig skalieren – auch grenzüberschreitend?
Der ScaleUp Incubator 2025, organisiert von der European Social Innovation Alliance (ESIA) unter Leitung von KoSI-Mitglied Social Impact gGmbH, brachte dafür die passenden Menschen zusammen: Menschen, die nicht nur Probleme erkennen, sondern sie lösen wollen - ganz konkret in den Bereichen inklusive Beschäftigung und Bildung für Jugendliche & Erwachsene.
Ein vielfältiges europäisches Feld
Aus Deutschland kamen Lern-Fair, EduGarden, HANZ und das Café am Markt (Sonne im Herzen e.V.). Aus Österreich war Independo dabei und aus Estland kamen die Teams von Substitute Teacher Programm (ASÕP), Sa Suudad und School of Grief (Leinakool) (siehe Kasten unten). Alle Sozialunternehmen sind bereits am Markt etabliert und stehen nun vor der nächsten Entwicklungsstufe. Die thematischen und strategischen Überschneidungen in den beiden Inkubator-Feldern „Inklusive Beschäftigung“ und „Jugend- und Erwachsenenbildung“ fielen durchaus sehr unterschiedlich aus. Besonders die Organisationen mit Bezug zum Schulkontext – Lern-Fair, HANZ, EduGarden und Substitute Teacher Programm (ASÕP) – fanden schnell eine gemeinsame Sprache. Auf der Ebene der Organisationsentwicklung und speziell bei den Herausforderungen und Chancen von Skalierung konnten sich jedoch alle gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Ein internationaler Laborraum für Soziale Innovation
Fünf Tage lang wurde Stegelitz zum Labor für neue Ideen. In Workshops tauschten sich die Teilnehmenden aus, analysierten ihre Geschäftsmodelle, diskutierten Skalierungsstrategien und reflektierten über Finanzierung & Förderung. Dabei entstand ein Raum, in dem nationale Perspektiven verblassten und die gemeinsame Mission, gesellschaftlichen Wandel zu gestalten, in den Vordergrund rückte. Die erfahrenen Social-Impact-Trainerinnen setzten dabei auf ein einfaches, aber wirksames Prinzip: Peer-to-Peer-Learning auf Augenhöhe, flankiert von Coaching und Inputs von Expert:innen. Das Ergebnis war ein ungewöhnlich offener, am Ende wirklich schon familiärer Austausch.
Ein Blick in Europas Ökosysteme und Best Practices für Soziale Innovation
Was den Inkubator ebenfalls besonders machte, war die Dichte an externem Input. Expert:innen aus dem ESIA-Netzwerk – Paul Thein vom Arbeitsministerium in Luxemburg/ Social Business Incubator, Stefan Panhuijsen von Social Enterprise NL in den Niederlanden und Pirkko Valge sowie Aino-Silvia Tali von der Good Deed Foundation in Estland – gaben Einblicke in die jeweiligen nationalen Rahmenbedingungen für Soziale Innovationen und Sozialunternehmen. Es wurden Chancen und Herausforderungen aufgezeigt und mit den Teilnehmenden diskutiert. Und es wurde deutlich: Soziale Innovation und Sozialunternehmertum sind ein europäisches Phänomen – aber die nationalen Ökosysteme funktionieren durchaus unterschiedlich. Dies darf bei einer transnationalen Skalierung nicht unterschätzt werden.
Hinzu kamen praxisnahe Beiträge zu Advocacy von Frank Schach vom Unternehmerverband Brandenburg-Berlin, zu Investment Readiness von Christoph Rohde von KoSI-Mitglied FASE, zu EU-Förderung mit Norbert Kunz von Social Impact sowie zu Wirkungsmessung von Phillip Brandts von Phineo. Die Expert:innen-Beiträge fanden zum Teil während eines Tagesausfluges nach Berlin in den Räumlichkeiten des neuen KiezLabs statt. Die Teilnehmenden erhielten von Jana Kausemann von den Jungen Tüftler:innen eine Führung durch den Co-Working- & Veranstaltungsort für gemeinnützige Organisationen und Initiativen, der erst seit dem Sommer geöffnet hat. Man erhielt einen Eindruck von der sehr lebendigen sozialen Innovationslandschaft in der Hauptstadt – und welche Rolle Orte für Begegnung dabei spielen.
Zur Innovationslandschaft in Berlin bzw. Deutschland gehören auch Joblinge, das Education Innovation Lab und auch enterability, ein Projekt von Social Impact. Vorträge von Jonas Hettwer, Kyra Wider und Jeanette Oechsl stellten die beeindruckenden Best Practices aus den beiden Themenbereichen des ScaleUp Inkubators vor - und brachten interessante Diskussionen unter anderem zum Thema Skalierung.
Stegelitz als Kraftquelle
Die Alte Schule in Stegelitz als Veranstaltungsort spielte beim ScaleUp Inkubator eine wichtige Rolle. Die ruhige Lage, das gemeinschaftliche Wohnen, die gemeinsamen Mahlzeiten – all das förderte Dialog und Vertrauen. Der Ort, einst eine Schule, schien wie geschaffen für ein Programm, das sich der Bildung, dem sozialen Wandel und der Zukunft Europas widmet.
Mehr als ein Inkubator: Ein europäischer Schulterschluss
Für die ESIA-Partnerorganisationen war der Inkubator zugleich eine weitere Möglichkeit für engere Zusammenarbeit. Monate an Planung, Calls und Abstimmung mündeten in eine Woche, die den Zusammenhalt des ESIA-Netzwerks stärkte – und wertvolle Erkenntnisse für den nächsten transnationalen Inkubator lieferte. Denn schon jetzt ist klar: 2026 wird es eine zweite Runde geben. Stegelitz hat gezeigt: Europa verändert sich zum Positiven, wenn sozialen Innovator*innen länderübergreifend zusammenkommen – sogar in einem kleinen Dorf in Brandenburg.
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Lern‑Fair bietet benachteiligten Schülerinnen und Schülern in Deutschland kostenfreie, digitale Lernunterstützung und Nachhilfe – getragen von Tausenden freiwilligen Mentor:innen. Die Organisation schließt Lernlücken, stärkt Selbstvertrauen und sorgt dafür, dass Bildungsungleichheiten nicht über den Bildschirm verstärkt, sondern abgebaut werden. Mit einem datenbasierten Matching-System bringt Lern-Fair Unterstützungsbedarf und passende Ehrenamtliche schnell und verlässlich zusammen.
EduGarden entwickelt inklusive „Lerngärten“ und Urban-Farming-Projekte, in denen Bildung, Naturerleben und soziale Teilhabe ineinandergreifen. Das Social Startup verbindet vertikale Landwirtschaft mit pädagogischen Angeboten für Schulen, Quartiere und soziale Einrichtungen. So entstehen grüne Lernorte, die ökologische Bildung fördern, Menschen zusammenbringen und nachhaltige Stadtentwicklung im Kleinen wie im Großen erlebbar machen.
HANZ Ausbildungs‑Netzwerk Zukunft vernetzt Jugendliche, Schulen und Unternehmen über eine digitale Plattform, um den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern und die duale Ausbildung zu stärken. Die Lösung bietet Berufsorientierung, Matching-Tools und transparente Einblicke in Ausbildungswege. Damit unterstützt HANZ sowohl junge Menschen bei der Entscheidungsfindung als auch Betriebe bei der Fachkräftesicherung – und trägt dazu bei, Ausbildung moderner, zugänglicher und zukunftsfähiger zu gestalten. Café am Markt (Sonne im Herzen e.V.) hat einen Raum in dem brandenburgischen Ort Biesenthal geschaffen, der ausdrücklich auf Besuche von benachteiligten Gruppen und deren Teilhabe ausgerichtet ist. Achtzig Prozent der Mitarbeiter:innen sind Frauen, von denen die meisten als Flüchtlinge gekommen sind und mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt sind. Das Café arbeitet mit lokalen Produzenten aus der Region Barnim zusammen, bietet Speisen aus verschiedenen Teilen der Welt an und zelebrieret gleichzeitig die deutsche Kuchenkultur. Auf diese Weise erreicht das Café bzw. der Verein auch Menschen in ländlichen Gebieten, die anderen Kulturen gegenüber skeptisch sind. Darüber hinaus initiiert das Café bzw. der Verein Begegnungen und kulturelle Angebote wie Sprachcafés, Seniorentreffen und Erfahrungsaustausch unter Menschen mit Flüchtlingshintergrund.
Independo hat es sich zum Ziel gesetzt, die digitale Welt für Menschen, die alternative Kommunikationsformen nutzen, zugänglich zu machen. Das Unternehmen entwickeln Webtools, die Text in Piktogramme übersetzen. Die Produkte von Independo sind für alle Altersgruppen geeignet, da sie sich dank der vielen Anpassungsmöglichkeiten an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer/innen anpassen.
Substitute Teacher Program (ASÕP) ist eine Webplattform für Schulen und Kindergärten sowie für Vertretungslehrer:innen, die innerhalb weniger Minuten geprüfte Vertretungslehrer:innen mit offenen Unterrichtsstunden zusammenbringt. Es wird dabei für alle Parteien die gesamte Kette bis hin zur Bezahlung abgedeckt, nicht nur der Matching-Schritt. Dieses End-to-End-Design ermöglicht es insbesondere der Schul- bzw. Kindergartenleitung, die Kontinuität des Unterrichts bzw. der Betreuung mit einer einzigen, kohärenten Lösung zu gewährleisten.
Sa Suudads Mission besteht darin, die Erfahrungen und Ratschläge junger Menschen, die Risikoverhalten zeigen bzw. gezeigt haben, anzuhören, zu sammeln und gegenüber der Politik und Öffentlichkeit zu präsentieren. Das übergeordnete Ziel der NGO ist es, dazu beizutragen, dass das Bildungs-, Sozial- und Rechtssystem jugendfreundlicher und effektiver im Umgang mit jungen Menschen wird, die Risikoverhalten zeigen.
School of Grief (Leinakool) st ein Zentrum für berufsbegleitende Fortbildung und Kompetenz, das wissenschaftlich fundierte Weiterbildungen für Fachkräfte im Bereich der psychischen Gesundheit sowie Lösungen zur Trauerbegleitung für Organisationen und Privatpersonen anbietet. Die Programme verbinden moderne Trauer-Theorien, evidenzbasierte Interventionen und praktisches Erfahrungslernen und vermitteln den Teilnehmenden fundiertes Wissen und anwendbare Fähigkeiten.


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